Hast

 

 

Wer bin ich denn?

 

Ein Objekt der Begierde auf dem Nachttisch, nach einem anstrengenden Tag in einer Großstadt dieser Welt, erwartend – fordernd – trüb und triste, nicht einmal mit einem flüchtigen Blick einer Kanalratte gewürdigt, ein Buch vorzufinden, ein paar schmeichelnde, die Seele zart berührende Zeilen feinster Belletristik?

Worte die sich von Geisterhand mit edelster Feder einer Gans, in schwarzer Tusche auf ein Blatt geschöpftem Papier bei klischeehaftem Kerzenschein – draußen stürmt der Wind und ein Blitz erhellt meinen Schreibtisch – stilvoll und im Bilde eines Rotwein-trunkenen, melancholischen Poeten, tanzend niederlassen, um das Gemüt eines Fremden für einen kurzen Augenblick, fernab von Sorgen und Not, ins Paradies zu verlocken?

 

Donner, Groll und Paukenschlag – die Realität holt mich ein!

 

Der Poet ringt seit seiner frühsten Kindheit mit dem Tod – immer wieder und unerwartet aufs Neue.

 

Sein Kind, das weit nach Mitternacht endlich eingeschlafen ist, bedarf intensiver und zeitaufwändiger Zuwendung. Von allen Seiten kommen immer die selben Fragen, ständige Vergleiche, sicher gut gemeinte aber nichts-nützige Ratschläge, verständnislose, unwissende Blicke.

 

Auch dieses Kind hat Bedürfnisse und Wünsche, das Krankenhaus kennt es wie sein Kinderzimmer.

 

Es jammert nicht sondern erfreut sich am Fallen der Blätter,

drängt nicht, sondern wartet im Vertauen geduldig ab,

vergleicht nicht, denn jedes Wesen ist einzigartig!

 

Dieses Kind, ohne Sorgen im Augenblick lebend, schade das es noch nicht schreiben kann!

 

Leipzig, Oktober 2015