Die Färbung der Welt

 

Die Welt ist bunt! Gefüllt mit blau, rot und gelben Farbklecksen in den unterschiedlichsten Formen und Größen, Schattierungen und Tönen – alle hüpften, sprangen und tummelten sich durcheinander. Jeder Farbklecks war gleichgestellt. Denn keiner der Kleckse hatte Seine endgültige Position - Seinen beständigen Platz noch nicht gefunden. Noch waren alle Tiere, Pflanzen, ja Steine und Edelsteine farblos. Wie durchsichtig waren Sie! Jedoch mit klaren Markierungen Ihrer Größe, Ihres Volumens und Umfangs.

Hier und da ließ sich eine Farbe auf einem Blatt, im Gras oder im Schlamm nieder - verweilte eine Zeit, als wollte Sie wissen wie es sich auf dem Material anfühlt. Hopp, so hüpfte Sie wieder Ihres Wegs davon!


Das BLAU hatte einen wilden und ruhelosen Charakter. Es durch-brauste das Wasser, machte sich einen Spaß mit den Wellen und jagte sich mit dem Wind. Seine Bestimmung war es, den Himmel und das Wasser zu erfüllen.



Das ROT war ein zumeist bodenständiges Wesen. Klar und bedacht fühlte Es sich zu dem Feuer und dem Blut der Tiere und Menschen hingezogen.

 

Das GELB fand Seinen Platz recht schnell. Es liebte die Höhe, die Freiheit und den Überblick. Mit einem Mal setzte Es sich auf der Sonne nieder. Hier war es warm und freundlich. Der Ausblick war wunderbar!

 

So verging die Zeit der Wandlung.

 

Der blaue Himmel freundete sich mit dem roten Feuer an. Wenn der Wind blies, so tanzten die Flammen lustvoll und fröhlich zu allen Seiten. Es bildeten sich in diesem Tanz kleine violetten Funken.

Aus dieser Freundschaft entstand die Farbe LILA.

 

An einem noch farblosen Strand lagen große und kleine rote Steine herum. Einige waren dick und rund, andere wiederum schmal und lang. Es war Sommer und die gelbe Sonne schien kraftvoll den ganzen Tag.

Immer wenn Sie mit Ihren langen Strahlen die Steine ansah, veränderte Sie Ihre Farbe und sie leuchteten orange auf.

Diese zufälligen Begegnungen mischten die Farbe ORANGE.

 

Siehe da - das Gelb und das Blau haben sich in einander verguckt! Sie liebäugelten einander und tauschten sinnliche Berührungen. Waren gefesselt von der Anziehungskraft des Anderen und ließen sich keinen Augenblick entgehen einander nahe zu sein.

 

Die Sonne streifte das Wasser und der Himmel stellte sich schützend hinter die Sonne. Und plötzlich, da, bei einem Ihrer Liebesspiele fiel ein kleiner grüner Klecks hinab.

 

Das GRÜN war geboren!

 

 

Rostock, 2009